Helene Herschel, née Steiner (2023)

Im Bestand der ub.mdw wurden drei Musiknotendrucke mit handschriftlichen Vermerken auf „Helene Herschel“ und „Helene Steiner“ (1875 – ermordet in Treblinka) aufgefunden.Durch Recherchen konnte eindeutig belegt werden, dass es sich bei Helene Steiner um die verheiratete Pianistin und Klavierpädagogin Helene Herschel handelt. Auch die Analyse der handschriftlichen Provenienzhinweise bestätigen die Rechercheergebnisse. Im Juli 2004 kamen die drei Musiknotendrucke über eine Spende des Musikhauses Macourek an die ub.mdw. 1898 heiratete Helene Steiner den Kaufmann Viktor Herschel (1865 – ermordet in Treblinka) nach jüdischem Ritus. Von 1919 bis 1920 studierte Helene Herschel bei Arnold Schönberg (1874–1951) Harmonielehre in Wien. Nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 musste das säkular lebende Ehepaar Herschel in eine „Sammelwohnung“ in der Hammer-Purgstall-Gasse 2/10 im 2. Bezirk ziehen.Am 22. Juli 1942 wurden sie in das Ghetto Theresienstadt und von dort am 21. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka deportiert, wo sie ermordet wurden. Während des NS-Regimes kam das Ehepaar in finanzielle Nöte und sie baten ihre Tochter Bettina Pollak, née Herschel (1899–1977) um Unterstützung. Ob Helene Herschel die Musiknotendrucke vor ihrer Deportation im Musikalienhandel verkauften musste oder sie sich unter den von der „Verwertungsstelle für jüdischen Umzugsgutes der Gestapo“ (VUGESTA) beschlagnahmten Güter befand, konnte derzeit nicht näher recherchiert werden. Es handelt sich eindeutig um Raubgut und daher empfiehlt die Arbeitsgruppe Provenienzforschung der mdw die Restitution an die rechtmäßigen Erb*innen.

Betroffene Exemplare im Katalog der ub.mdw